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NSIGHTOUT – so wird der Titel meines neuen Albums sein. Ich bin gerade in den letzten Zügen, mische noch – ich finde immer noch was, was mir nicht gefällt –, dann kommt das Mastering und das Artwork.

Dann ist sie fertig, die CD, aber auch die LP, die mir diesmal besonders wichtig ist, und für die ich mir extra viel Mühe gebe. Denn sie soll auch besonders gut klingen … die NEUE MUSIK AUS DER STILLE (Dank an Rickie Kinnen;).

Ich habe versucht, nach der ersten totalen Irritation, die Chance zu nutzen, diese absolut einzigartige Situation, die ihr eigene Stille und so ungewöhnliche wie ungewohnte Abgeschiedenheit als das ‚aufzunehmen’ (und zwar im doppelten Sinn), was es ist.
Eine Neuordnung der Paradigmen, eine Neuerfahrung des Seins und des Schaffens. Klingt ein wenig hochtrabend und abgehoben … ist es aber gar nicht. Es ist eher ein Versuch einer Beschreibung dieser Grenzerfahrung, und das wurde es dann auch in der Musik, die entstanden ist.

Das hat durchaus eine philosophische Dimension, aber eben auch eine ganz praktische. So ist z.B. ein Klavierstück entstanden, man kann es eine Art Meditation über ein Thema nennen, von 16 min Länge, in der Phase des totalen Lockdowns, in der nicht einmal der Klavierstimmer zu mir kommen durfte … und das hört man natürlich. Ich habe aber (obwohl es noch einige andere Versionen davon gibt) diese Version des Themas ausgewählt. Auch weil es ein Dokument dieses Moments, dieses Zustandes ist.

Ich habe keine Streaming-Konzerte gemacht, ich habe keine Ersatz- oder Online-Veranstaltungen gemacht – von denen eben so viele weder in Form noch in Inhalt auch nur annähernd dem genügen können, was man bei einem Konzert erleben oder vermitteln kann und möchte – ich habe im Gegenteil versucht, tief in mich hinein zu horchen und das klingen zu lassen, was ich da (situationsbedingt verstärkt) gehört habe.

So ist in diesen Wochen und Monaten ein ganzes Album in meinem Studio zu Hause entstanden, in aller Ruhe, mit ungewohnter Muße, ohne zeitliche Vorgaben, mit allen Möglichkeiten der Reflexion, des Nachlauschens, des immer wieder Überprüfens, manchmal doch wieder zum Ausgangspunkt Zurückkehrens, ein Dokument dieser ungewöhnlichen Zeit.

Ein Blick nach innen … und von dort nach draußen.

Eingespielt wurden die Aufnahmen fast ausschließlich am Flügel, der, manchmal pur und unglaublich nahe, manchmal präpariert und verfremdet, manchmal mit Händen und Besen auf den Saiten bespielt, immer die jeweilige Stimmung wiedergibt.

Aber es werden auch einige sehr besondere Klänge zu hören sein,  jeweils etwas abgesetzt – auf einem separaten Tonträger.

Für mein (ja nun um ein Jahr verschobenes) Geburtstagskonzert am 7. August im Nürnberger Serenadenhof hatte ich mir einige Überraschungen überlegt – eine davon war, einige Stücke, zwei ganz neue und ein älteres, von meinem wunderbaren Kollegen Christian Elsässer für ein kleines Ensemble arrangieren zu lassen. Leider konnte es ja nun dieses Jahr nicht zu einer Aufführung kommen.

Deshalb bin ich mit einem (von Fany Kammerlander zusammengestellten) Ensemble in ein sehr schönes Studio gegangen und habe diese drei Stücke aufgenommen.
Und als ich das Ergebnis gehört habe, war mir klar, daß auch diese Aufnahmen auf dem neuen Album Platz finden werden.
So wird meine Musik nun erstmals auch in diesem Gewand zu hören sein. Ganz anders und … wunderschön .

Christian Elsässer – Arr., Dirigent

Shin Hee Lee – Viola

Janine Schöllhorn – Flöte, Altflöte

Fany Kammerlander – Cello

Ahmed Mounib – Violine

Ehab Abo Fakher – Viola

Peter Schmidbauer – Aufnahme

Philip Watson – Klarinette, Bassklarinette

Kai Rapsch – Oboe, Englisch Horn

 

 

 

 

Obwohl das Album (als Doppel-CD und Doppel-Vinyl) erst Anfang 2021 erscheinen wird, gibt es in den kommenden Konzerten einige Auszüge davon zu hören. Und natürlich werde ich auch hier einige Ausblicke vorveröffentlichen, damit man auch weiß, worauf man sich da möglicherweise einläßt.

 

Ganz herzlich

Euer Martin